Fischer zu den Waffen!
Was geschah vor 700 Jahren?
Bamberg im Namen des Herren 1306.
Sehr früh am Morgen ist große Unruhe in der Fischerdrinkstube. Die Fürmeister des Handwerks der Fischer und Schiffer hatten die gesamte Meisterschaft in die Fischergasse anbefohlen.
Selbst die Gesellen und Knechte hatten Anweisung zu Erscheinen. Die Stube war für den großen Tag geschmückt worden. Alle Handwerksangehörigen hatten ihren Sonntagsstaat an. Die Zunftinsignien wurden hervor geholt. Bevor die zwei ersten Fürmeister die Zunftlade öffneten wurde ein Gebet gesprochen. Ehrfürchtige Stille trat ein. Aus der Lade wurden das Schriftstück gezogen, dass schon vor Wochen für Aufregung im Handwerk sorgte. Ein Fürmeister verlas es erneut: „Wir ... Fürstbischofe zu Bamberg und gnädigster Herr haben unseren Unterthanen anbefohlen angesichts der manigfaltigen drohenden Gefahr für das Gemeinwesen zur Verteidigung desselben die Burgerschaft und das gesamte Handwerk unter Waffen zunehmen. Somit habe sich das Handwerk der Fischer in Gesamtheit am Tage des Herrn ... einzufinden und die gnädige Order anzunehmen." Sofort kam in der versammelten Runde Unruhe auf. Der Fürmeister zitierte aber sogleich die Zunftordnung und forderte das absolute Redeverbot vor geöffneter Lade ein. Er stellte in einer kurzen Ansprache nochmals klar, daß an dem geschrieben Wort des Gnädigen Fürsten, Bischofen und Herr Herrs nicht zu zweifeln ist und daß es ebenso um die Zukunft des Fischerhandwerks, wie jeden einzelnen Meisters gehe.
In geordneter Reihenfolge zog man, die Fürmeister mit den Handwerksinsignien voran, dem Versammlungsplatz in der Nähe des Flusses entgegen. Dort hatten sich schon zahlreiche Bürger, Beamte und andere Handwerkszweige, wie Bäcker, Fleischhauer und Gerber versammelt. Auch die Fischer reihten sich, ihrer Stellung nach, ein.
Ungewöhnlich an dieser Szene waren die Gestelle aus dicken frisch geschlagenen Stämmen, die das Kriegsmaterial trugen und zur Schau stellten. Lange Reihen zeigten Helme und Brustpanzer aus dunkel schimmernden Leder. Schwer und um sich greifend hingen die Armbrüste mit hölzernerem Schaft und eisenbeschlagenem Bogen. Lederköcher waren voll mit filigranen Pfeilen. Die Metallspitzen drohten matt dem gemeinem Volk.
Bewacht wurde alles durch eine Mannschaft Landsknechte.

Beklemmung machte sich breit. Schon seit Monaten sprach man in allen Landen von drohender Gefahr. Die Schiffer, die Main auf und ab, fuhren brachten immer wieder schlechte Nachrichten von marodieren Banden und Söldnern mit. Doch das waren bislang nur Worte und nun sah man die Wirklichkeit. Man konnte die Gefahr für sich, seine Familie und dem städtische Gemeinwesen greifen.
Ein Hauptmann rief einzelne Bürger und die Fürmeister der Handwerkszweige auf, ließ die Waffen und Kriegsutensilien durch Landsknechte übergeben. Von jedem einzelnen forderte er einen Eid ein. Die zwei ersten Fürmeister der Fischer schritten äußerlich stolz zur Übergabe. Ihrem Handwerk sind zwei Armbrüste zugewiesen worden, während andere wie die Loderer, Tuchmacher und Huter zusammen vier teilen mußten. Innerlich beteten sie aber zu Gott, diese Waffen nie einsetzen zu müssen. Denn sie waren ja keine Landsknechte, sondern einfache, aber ehrwürdige Fischer, die den Wasserlebewesen nachstellten, oder Schiffer die Waren bis an den Rhein transportierten oder mitbrachten.
Nach der Übergabe Schritten alle Gruppen in sich gekehrt heimwärts. In der Fischdrinkstube jedoch wurde nach so einem ungewöhnlichen Tag im Jahre des Herren 1306 noch fleißig diskutiert und ausgiebig getrunken.

So oder ähnlich konnte sich die Waffenübergabe an Bürger und Zünfte im Jahre 1306 abgespielt haben. Das diese Übergabe wirklich stattgefunden hat, ist im ältesten Protokollbuch Bambergs dokumentiert. Dieser Eintrag ist für die Untere Schiffer- und Fischerzunft Bamberg sehr wichtig. Denn er stellt die bislang älteste schriftliche Erwähnung der Fischer in Bamberg dar. Dies ist jedoch nicht mit einem Gründungsjahr der Fischerzunft zu verwechseln. Dieses ist aller Wahrscheinlichkeit älter.

Einige Worterklärungen:

Fürmeister ...        Viermeister, die vier Meister;Vorstandschaft
Zunftlade ...          Truhe in der alle wichtigen Dokumente, wie Zunft-                   und Fischordnungen aufbewahrt werden
Trinkstube ...        Versammlungsort des Handwerks. Für die Fischer                   bereits um 1330 im heutigen Sandbad
                  nachweisbar. Seit 1463 im Zunfthaus in der
                  heutigen Kapuzinerstraße
Fischergasse ...      heutiges Sandbad in Bamberg

Dipl.-Ing. (FH) Klaus H. Kropf, Archivar der Unteren Schiffer- und Fischerzunft Bamberg © 2006